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Gastbeitrag: Vaterkarenz und verpflichtender Papamonat

Ich war in Karenz und es war gut. Für mich, meine Frau und unser Kind. Warum trotz der gesetzlichen Möglichkeiten nur 5% der Väter in Karenz gehen, kann ich nur teilweise nachvollziehen, aber es gibt einige Gründe, welche die Entscheidung verständlich machen.

Geht es nach der Initiative „Echte Männer gehen in Karenz“, war es für Männer noch nie so einfach sich um ihr Kind zu kümmern. Warum das nur die halbe Wahrheit ist, möchte ich hier gerne erklären.

Wann immer ein Elternteil seine Erwerbstätigkeit einstellt, um ein Kind selbst zu betreuen, führt das zu finanziellen Einbußen, die mit der Dauer der Karenz zunehmen. Dieser Effekt wird oft noch dadurch verstärkt, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Der relative „Verlust“ für die Familie wird also dadurch verstärkt, dass der Bezieher des größeren Einkommens in Karenz geht.

Ein kurzes Rechenbeispiel

Monatliches Familieneinkommen: 3.000 €
Einkommen der Frau: 1.200 €
Einkommen des Mannes: 1.800 €
Kinderbetreuungsgeld Var. 20+4: 624 €

In jedem Monat in dem die Frau in Karenz ist, fehlen 576 € oder 19,2% des Familieneinkommens.

In jedem Monat in dem der Mann in Karenz ist, fehlen 1.176 € oder 39,2% des Familieneinkommens.

Das Minimum von 4 Monate Vaterkarenz mindern somit das Familieneinkommen um 4.704 € und das in einer Zeit, in der die meisten Familie finanziell ohnehin stark belastet sind. Die Vaterkarenz ist in diesem Beispiel also doppelt so „teuer“, wie die Karenz der Mutter!

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass es ein Modell gibt, welches diesen Effekt ausblendet, aber hier bleibt das Thema der Kinderbetreuung nach dem 14. Lebensmonat des Kindes. Ein Zeitpunkt zu dem viele Eltern ihr Kind noch nicht in fremde Hände geben möchten und nur sehr wenige Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

Eine Lösung wäre zum Beispiel ein konstanter Abschlag auf das Familienletzteinkommen, welcher größer wird, umso länger die Karenz dauert. Aber es ist keine Lösung, wenn es einen Unterschied macht, ob Vater oder Mutter in Karenz sind.

Neben den rein finanziellen Argumenten gibt es aber noch immer einige persönliche und gesellschaftliche Aspekte die zu berücksichtigen sind. Vor allem bei den Arbeitgebern besteht hier akuter Nachholbedarf. Männer die sich für eine Karenzierung entscheiden, werden teilweise unter Druck gesetzt, oft von Kollegen belächelt und in schlimmen Fällen mit der Kündigung bedroht. Ein Rückzieher ist eine verständliche Reaktion, da man ja mit dem Einkommen den Lebensstandard der Familie absichern möchte und als junger Vater hat man gefühlt die zehnfache Verantwortung.

Nur noch Vorurteile?

Das eingefahrene Rollenbild der Gesellschaft trägt auch seinen Teil dazu bei, dass sich der Status quo nicht verändert und relativ wenige Väter die Chance zur Vaterkarenz nutzen. „Kinder gehören zu ihrer Mutter!“ – „Was sagt die Mama dazu, dass sie wieder arbeiten muss?“ – „Wer kocht für das Kind?“ waren nur ein paar der Aussagen, die ich mir anhören musste, als ich in Karenz war. Die verdutzten Blicke vieler Frauen, wenn man als Mann den vormittäglichen Einkauf mit Kind erledigt waren für mich ein Zeichen, dass sich hier noch viel ändern muss und dazu tragen Väter die in Karenz gehen sicherlich am meisten bei.

Zum Thema verpflichtendes Papamonat habe ich auch eine Meinung. Wer seine Frau nach der Geburt unterstützen will, der soll das machen können. Frau, Kind und Umfeld werden es danken, aber wenn ein Vater diese Chance nicht wahrnehmen möchte, dann soll man ihn auch nicht dazu zwingen. Die Möglichkeit auf zwei Wochen Sonderurlaub wegen der Geburt eines Kindes wäre hier eine Sinnvolle Ergänzung. Wer möchte kann auch jetzt schon den Pflegeurlaub für Personen im gleichen Haushalt heranziehen, aber der könnte ja zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wichtig sein. Bei kleinen Kindern weiß man das ja nie so genau.

Zum Schluss möchte ich allen Vätern sagen: Geht in Karenz. Verbringt möglichst viel Zeit mit euren Kindern. Jeder Mann in Karenz trägt dazu bei, dass sich etwas zum Positiven verändert.

Der Anlass für meinen Blog ist die Club2-Diskussion zum Thema Vaterkarenz und Papamonat vom 14.03.2012. Wer die Sendung sehen möchte, der kann diese unter http://tvthek.orf.at

Zum (Gast-)Autor

Matthias Gold wurde 1978 in Wien geboren, wo er heute nur noch beruflich zu tun hat. Seinen Lebensmittelpunkt hat er im Weinviertel, von wo aus er seit Schulzeiten nach Wien pendelt. Seit 2007 ist er mit seiner langjährigen Freundin Kerstin verheiratet und 2010 kam die gemeinsame Tochter Emilia zur Welt. Als „ultimate mom“ hat er sich die Karenz mit seiner Frau geteilt und würde für ein zweites Kind sofort wieder, aber jedenfalls länger in Karenz gehen.

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4 Comments

Ralf

2012-03-23 08:13:59 Antworten

Danke für diesen wichtigen Beitrag!
Ich finde, es sollte egal sein, wer von den beiden Elternteilen in Karenz geht. Die Karenzzeit sollte finanziell so gestaltet sein, dass der fehlende Verdienst (vom Familieneinkommen) abgefedert/ausgeglichen wird. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass eine Entscheidung für Kinder, die ja definitiv Steuerzahler und Pensionsförderer sein werden, vom Staat, vor allem jene die keine Kinder haben wollen (weil teuer und „Karrierekiller“), zu 100% abgefedert gehört. Wir fördern zwar bereits die Familie aber in Anbetracht des Lebensverdienstes noch immer zum Vorteil für alle freiwillig Kinderlose.
Was ebenso einmal angedacht werden sollte, wäre die bessere Unterstützung von Patchworkfamilien. So kann ein Elternteil das seine Kinder regelmäßig für z.B. das Wochenende abholt nicht einmal die Fahrten in irgendeiner Weise von der Steuer absetzen. Wäre es hingegen eine Geschäftliche Geschichte na dann sicher…

Lg
Ralf

    Tatiana

    2014-08-10 07:37:46 Antworten

    Damit beste4tigt sich meine Meinung dass jungen Frauen denngrid empfohlen wird bei ihren Kleinkinder zu Hause zu bleiben!!Es ist hf6chste Zeit dass die Politik schnellstens darauf reagiert,wollen wir doch alle glfcckliche Kinder und spe4ter ebenso glfcckliche und selbsbewusste Erwachsene!

finestdads

2012-04-16 11:28:36 Antworten

Hallo,
finde den Beitrag sehr gut. Das Beispiel zeigt sehr deutlich wo das Problem ist – Geld.
Leider geht es hier wirklich ums Geld. Es gibt sicher mehr Männer die in Karenz gehen würden nur den Verlust auszugleichen ist fast unmöglich.

Es hat sich in den letzten Jahren doch einiges getan – vielleicht gibt es noch eine wirklich tolle Ergänzung um mehr Männer dafür zu begeistern.
LG, finestdads

Eine Mum

2012-04-20 13:41:21 Antworten

Sehr guter Beitrag. In der Tat ist die Betrachtung des Gesamtfamilieneinkommens sehr interessant. Es gibt ja nämlich wie bei mir auch den anderen Fall, dass die Frau mehr verdient und da fehlt dann auch einiges wenn man zumindest die empfohlene Still-Zeit in Karenz geht! Und wenn man sich trotz Karriere trotzdem für eine ein- bis zweijährige „Kinderpause“ entscheidet ist das finanziell nicht leicht. Das ist zB auch gar nicht im jetzigen System berücksichtigt!

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