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Wickelpedia (Alles, was man(n) übers Vaterwerden wissen muss) – Eine Rezension

Die (notwendige) Vorgeschichte:Wickelpedia

Da gehe ich doch gut gelaunt auf ein Treffen der Ultimatemoms, freue mich auf einen gemütlichen, produktiven Abend und dann passiert es! Zieht doch der Marko, unser noch werdender Vater, ein Buch aus der Tasche und meint das sei so genial lustig, das müssten wir uns auch zu Gemüte führen. Wir, also Thomas und ich, starten den Wettkampf IPhone 4 gegen Androidhandy Sony Ericsson. Mit dem Barcodescanner und der folgenden Amazonbestellung gewann Android knapp vor dem IPhone. – Männer und ihre Spielzeugen – Egal.
Jedenfalls beschloss Marko eine Rezension über das Buch schreiben zu wollen weil es sooooo toooll ist. Mhm. Schön. Gute Idee. Dann kam das Buch bei mir zu Hause an und aus war es mit der Harmonie. Ich schaffte es gerade einmal bis zur Seite 50 (Kapitel Einschlafwagen) bevor ich entrüstet zum Telefon griff und Marko anrief. Nach einem fünfminütigen „Der Autor ist doch verrückt und hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“-Monolog meinerseits, die ernüchternde Antwort Markos: „Du hast mich nur angerufen um mir zu sagen das dir das Buch nicht gefällt?“. Ja hab ich. Also gut, vielleicht war ich in der Hitze des Gefechts etwas emotional beeinflusst, aber als Gerechtigkeitsfanatiker fühlte ich mich in meiner Ehre als mündiger, zweifacher Vater von diesem Buch persönlich angegriffen. Ergo beschlossen wir also zwei Rezensionen zu verfassen und so für einen Ausgleich zu sorgen.

Jetzt neu bei Ultimatemoms – die duale Buch Rezension.

Wäre nicht die lange Vorgeschichte könnte dies die kürzeste Rezension meines Lebens werden: „So ein Mist.“ Fertig. Nun, ganz so einfach wollte ich es mir auch wieder nicht machen und daher hier nun im Folgenden die Langfassung:

Wickelpedia“ – Alles, was man(n) übers Vaterwerden wissen muss. Das Taschenbuch von Constantin Gillies hat 190 Seiten und ist 2010 im Ullstein Verlag erschienen. Es ist mittlerweile in der dritten Auflage erhältlich.

Bereits Eingangs wird man mit dem neuen Frust des Vaterseins geprügelt. Prinzipiell wird man vor die Wahl gestellt entweder einen Schnellzug in das Waschlappenland zu nehmen (Wickeltuchträgerabteilung) oder mit der vom Autor präferierten WWBT-Strategie (was würde Bond tun) durch die Vaterschaft (dauert angeblich nur zwölf Sommer) durch zu tauchen. Obwohl das Buch als einzig notwendige Fachliteratur zur Kindererziehung und dabei vor allem als Nachschlagewerk gedacht ist, kann man es getrost wie ein normales Buch in einem durchlesen. Spätestens nach dem 5en erklärten Begriff erhärtet sich der Verdacht, dass einem der Autor etwas direkt suggerieren möchte nämlich: Vaterwerden ist zum Abgewöhnen. Das ganze Buch schreit dich an und sagt dir: „Gestern standen wir vor dem Abgrund aber Heute sind wir bereits einen Schritt weiter!“ Pech gehabt nun ist dein schönes Leben vorbei. Autofahren wird als Allheilmittel gepriesen. Sei es um das Kind zum Einschlafen zu bewegen oder nur um endlich einmal das Kind ganz offiziell genehmigt fesseln zu können.
Die Mutter ist die neue demente Dumme der Familie. Frauen mit Doppelnamen werden als Monster dargestellt (mhm, dem könnt ich sogar was abgewinnen ;-)). Es gibt in Zukunft keine Kumpels mehr. Als tolles Unterhaltungsprogramm wird das Überspielen von alten Gina Wild Pornos von VHS auf DVD in Anwesenheit des Kindes empfohlen. Frauen gewöhnt man am besten den ‑­Wunsch nach einem zweiten Kind mittels der Kreissaal-DVD ab. Vater sein ist eigentlich eh nicht wichtig. Außerdem ist es ja so peinlich. Hart finde ich auch die Anleitung zum abgewöhnen des Schnullers. Da wird vorgeschlagen dem Kind kurz vor betreten des Kindergartens den Schnuller zu entreißen, es durch die Tür zu schieben und der Tante zuzurufen: „Wir gewöhnen uns gerade den Schnuller ab.“ Das „gerade“ erst seit ein paar Sekunden ist muss man ja nicht erwähnen.

Zugegeben, viele Kapitel enthalten Dinge über die man schon lachen muss, aber ernstgenommen ist es eigentlich zum Weinen. Bei einigen angeführten Tipps bin ich mir nicht sicher ob dadurch nicht eher ein Schaden angerichtet wird. Gemäß dem Motto gut gemeint ist oft das Gegenteil von Gut. Gegen Ende des Buches verstrickt sich der Autor dann noch in seine eigenen Kontroversen indem er von seiner Präferenz, dem Superpapa (WWBT), zum charmanten Bohemien wechselt der doch nur ungestylt auf dem Spielplatz erscheinen darf. Zwei Kapitel habe ich jedoch dann noch gefunden bei denen ich mich dem Autor vollinhaltlich anschließen kann: Das Gladiator-Prinzip, hier wird die Sinnhaftigkeit von konsequenter Autorität vermittelt und das Kapitel Marketing, bei dem man erfährt wie man auf einfachste Weise Kindern alles verkaufen kann.

Mein Resümee

Vorurteile, Vorurteile, Vorurteile. Der Autor erweckt den Eindruck als ob er selbst unfreiwillig in die unliebsame Vaterrolle gestoßen worden wäre und jetzt todunglücklich ist, dass er als Journalist viel Zeit mit seinem Kind zu Hause verbringen „muss“. Dabei kann er seine Lieblingshobbys wie Pornogucken und anderen Frauen nachlaufen nicht mehr richtig wahrnehmen und muss mit einer dementen, unsexy Mama sein Dasein fristen.

Kurz um, dieses Buch würde ich nur werdenden Vätern schenken, denen man einfach etwas Angst einjagen möchte. Mit diesem Lesestoff bringt man sie nämlich garantiert dazu noch einmal beim Kinderlosen-Fortgehen so richtig die Sau raus zu lassen. Weil danach ist ja Schluss, oder?

Anmerkung: Die „Gegenrezension“ von Marko folgt am kommenden Montag. findet ihr hier.

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Ralf

Der Meditations-Dad
Ralf ruht in seiner (spirituellen) Mitte - jedenfalls mehr als alle anderen Moms und jedenfalls nur so lange, bis er auf den nächsten Wahnsinn drauf kommt, den die Gesellschaft unseren Kids antut. Dann ist es nämlich vorbei mit dem inneren und äußeren Frieden.

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